Im ersten Teil der Artikel-Serie Einblick in die technische Umsetzung wurde die Analyse der Zielumgebung beschrieben. Dies beantwortet die Frage: Welche technische Infrastruktur können wir bei der Zielgruppe erwarten? Es stellte sich heraus, dass hauptsächlich moderne Browser unter den Betriebssystemen Windows und Android bei den Erprobungsteilnehmern zum Einsatz kommen. Das versetzt uns in die Lage auf der Client-Seite moderne Web-Technologien wie zum Beispiel WebGL oder  SVG verwenden zu können.

In diesem Blogartikel geht es um die Planungs- und Design-Phase. Ziel war es, aus einer Menge von Anforderungen ein adäquates Anwendungsdesign für das Serious Game zu entwickeln.

Im Kern handelt es sich um eine Client-Server-Architektur. Auf Client-Seite kommt eine JavaScript-WebApp zum Einsatz. Genauer handelt es sich hierbei um eine AngularJS-WebApp. Die größten Vorteile sind, dass im Team vorhandene Kernkompetenzen von HTML und CSS optimal genutzt werden können und die WebApp leicht auf andere Zielplattformen portiert werden kann (z. B. mit Apache Cordova).

Server-seitig handelt es sich um eine Mikroservice-Architekur. Die einzelnen Services basieren auf Spring Boot (Java), werden mit Hilfe von Docker Compose in ihrem Zusammenwirken beschrieben und sind somit einfach zu managen. Von außen sind die Services nur über ein API-Gateway erreichbar. Dieser Ansatz garantiert eine optimale Ausgangslage für zukünftige Einsatzszenarien des Serious Game.

Ein Arbeitspaket des Projektes Stress-Rekord beinhaltet die Erstellung eines Transferkonzepts, welches beschreibt, wie das Spiel innerhalb der Projektlaufzeit in die einzelnen Branchen transferiert werden soll und Projektergebnisse auf diese Weise nachhaltig verankert werden.

Das Konzept beinhaltet die Ergebnisse der Zielgruppenansprache, welche für die grundlegende Entwicklung des Spiels notwendig war. Auf der Seite des Pflegebereichs wurden hier Vertreter der Berufs- und Wohlfahrtsverbände sowie Hochschulen mit Studiengängen zum Pflegemanagement angesprochen. Auf der anderen Seite wurden Berufsgenossenschaften für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege, bundesweite gewerbliche und wissenschaftliche Institutionen des Arbeitsschutzes sowie Weiterbildungseinrichtungen für Fachkräfte des Arbeitsschutzes über das Projekt informiert. Mittel und Wege der Zielgruppenansprache waren öffentliche Auftritte, Vorträge und Teilnahmen an Kongressen und diesbezüglichen Arbeitsgruppen.

Jeder Verbundpartner entwickelte für seinen Arbeitsbereich einen individuellen Transferweg:

Transferweg  1: Trägerwerk Soziale Dienste wohnen plus… gGmbH

Wie im letzten Blogbeitrag berichtet, entwickelte die TWSD ein BGM-Konzept für die ambulante Pflege für die Entwicklung und Implementierung eines Konzeptes zum betrieblichen Gesundheitsmanagement zuständig.

Transferweg 2: Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen Süd gGmbH

Bei der Bildungsvereinigung wird das Spiel als Bestandteil des jeweiligen Lehrplans in bestehende Weiterbildungen als praktisches Anwendungswissen implementiert. Im Speziellen werden im Lernbereich „Gesundheits- und sozialpolitische Grundlagen“ die gesundheitsförderlichen Aspekte des Spiels gezeigt sowie Module der Mitarbeiterführung erarbeitet. Im Lernbereich „Pflegefachliche Kompetenz“ werden Themen zur Gesundheitsförderung in der Pflege angesprochen.

Transferweg 3: Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V.

Die SLfG sieht vor, eine Informationsstelle für betriebliches Gesundheitsmanagement bei kleineren und mittleren Unternehmen zu schaffen. Die SLfG begibt sich mit dieser Stelle in eine Lotsen- und Beratungsfunktion für Interessierte. In diesem Zusammenhang werden auch Fortbildungen und regionale Fachveranstaltungen unter Nutzung lokaler Allianzen (GKV, BGW, BAuA) angeboten. Im Weiteren beabsichtigt die SLfG eine Implementierung des Projektes in Führungskräftefortbildungen angesprochener Berufsgenossenschaften.

Hinter der Begrifflichkeit des betrieblichen Gesundheitsmanagements stehen verschiedene Maßnahmen und Aktivitäten des Arbeitgebers, um sich um die gesundheitsförderliche Gestaltung des Arbeitsplatzes, der Arbeit an sich, aber auch um verschiedene Aspekte der Arbeitssicherheit und der Wiedereingliederung bereits erkrankter Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu kümmern.

Im Rahmen des AP 7.4 (Betriebliche Gesundheitsförderung) ist die TWSD wohnen plus…gGmbH für die Entwicklung und Implementierung eines Konzeptes zum betrieblichen Gesundheitsmanagement zuständig. Zum vergangenen Meilensteintreffen im Dezember 2017 konnte dieses Konzept nun vorgestellt werden. Die Erstellung begründet sich nicht zuletzt auf der ausführlichen Literaturrecherche zu Beginn des Projektes sowie auf der wissenschaftlichen Voruntersuchung, bei welcher Führungskräfte aus dem Bereich der ambulanten Pflege befragt wurden.

Zu Beginn der Erstellung eines BGM-Konzept ist es notwendig, Leitlinien zu definieren, welche den Umgang mit BGM im Unternehmen handlungsleitend beschreiben. Die TWSD wohnen plus…gGmbH hat für sich folgende Leitlinien erarbeitet:

  1. Betriebliches Gesundheitsmanagement beinhaltet sowohl die Förderung des individuellen Gesundheitsverhaltens der Beschäftigten als auch die gesundheitsgerechte Arbeits- und Organisationsgestaltung (Ganzheitlichkeit).
  2. Betriebliches Gesundheitsmanagement wird systematisch durchgeführt: Bestandsaufnahme, Maßnahmenplanung, Maßnahmenumsetzung, Erfolgsbewertung bilden einen Regelkreis.
  3. Möglichst viele Beschäftigte werden an den Entscheidungen, den Maßnahmen und den Lösungen beteiligt (Partizipation).
  4. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein auf Dauer angelegter Prozess (Nachhaltigkeit).
  5. Betriebliches Gesundheitsmanagement muss bei allen wichtigen Entscheidungen in allen Bereichen des Unternehmens berücksichtigt werden (Integration).
  6. Betriebliches Gesundheitsmanagement wird als Führungsaufgabe verstanden und berücksichtigt.
  7. Gesundheitlich notwendige Maßnahmen dürfen nicht unter Hinweis auf wirtschaftliche Erwägungen unterbleiben.
  8. Die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten von Frauen und Männern, Vollzeit- und Teilzeitkräften, alleinstehenden oder jenen mit Familienpflichten werden berücksichtigt.