Personalmangel, viele Überstunden, geringe Bezahlung, eine hohe Anzahl an Teilzeitjobs und befristete Arbeitsverträge: ein Arbeitsplatz im Pflegebereich bedeutet für viele Beschäftigte neben Knochenarbeit auch ein hohes Maß an psychischen Belastungen.

Zu diesem Ergebnis kommt der vor einigen Wochen durch den BKK-Dachverband veröffentlichte Gesundheitsatlas 2017. Demnach liegen die Fehltage durch Krankheit (AU) im Gesundheitsbereich weit über dem Durchschnitt aller Beschäftigter. Während 2015 für alle beschäftigten BKK-Mitglieder im Schnitt 16,1 AU-Tage anfielen, kamen Beschäftigte in Pflege- und Altenheimen laut Gesundheitsatlas auf 23,8 beziehungsweise 23,5 AU-Tage. In der sozialen Betreuung waren es 20,8 Tage, in Kliniken 18,2 AU-Tage.

Überdurchschnittlich oft sind psychische Störungen der Grund für die Erkrankungen. 4,5 Tage waren Beschäftigte in der Altenpflege deswegen krank geschrieben. Bei allen arbeitenden BKK-Mitgliedern waren es dagegen nur 2,3 AU-Tage. 40,5% der Beschäftigten in der Altenpflege sind aufgrund psychischer Störungen in Behandlung gewesen (Gesundheitsreport 2016, S. 180)  und führen die Rangliste von Berufsgruppen mit den meisten Arzneimittelverordnungen von Antidepressiva mit 9,7% an (Gesundheitsreport 2016, S. 350).

Abb.: Gesundheitsatlas 2017, S. 11

Entsprechend negativ fiel bei einer Umfrage des BKK-Dachverbands unter 2000 Beschäftigten die Einschätzung ihrer eigenen Arbeitsfähigkeit aus. 7,7 Prozent der Arbeitnehmer/innen in der Kranken- und Gesundheitspflege und sogar 21,4 Prozent in der Altenpflege sehen ihre psychische und körperliche Gesundheit durch die Arbeit mindestens als stark gefährdet an.

Quellen:
K. Kliner, D. Rennert, M. Richter (Hrsg.): Gesundheit und Arbeit – Blickpunkt Gesundheitswesen, Berlin 2017, Download
F. Knieps, H. Pfaff (Hrsg.): Gesundheit und Arbeit. BKK Gesundheitsreport 2016, Berlin 2016,  Download; www.aerztezeitung.de

 

Wenn Pflegende während der Arbeit Stress abbauen wollen, helfen den meisten kurze Gespräche mit Kollegen (60 Prozent) bzw. Patienten (37 Prozent) sowie Süßigkeiten oder andere Snacks (37 Prozent). Das hat eine Online-Befragung von 240 Pflegekräften aus der Alten- und Krankenpflege ergeben. Auftraggeber waren die Asklepios Kliniken.

Laut der Studie "Stress und Resilienz", die von der Medizin-Community DocCheck im Mai 2017 durchgeführt wurde, leidet mehr als die Hälfte aller Pflegekräfte in Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten und Kliniken aufgrund von Stress häufig oder regelmäßig unter körperlichen Beschwerden, ein Drittel unter psychischen Symptomen.

Während in Pflegeheimen der Faktor "zu wenig Zeit pro Bewohner" die Pflegenden am meisten belastet (51 Prozent), sind es in ambulanten Diensten mit 44 Prozent "Bürokratie und Dokumentation" und in Kliniken mit 45 Prozent der Punkt "Arbeitsverdichtung".

Am stärksten belastet scheinen laut der Studie Pflegende in Senioren- und Pflegeheimen: Mit 60 Prozent körperlichen und 46 Prozent psychischen Symptomen liegen sie vor ambulanten Pflegediensten (59 Prozent bzw. 34 Prozent) und Klinikpflegepersonal (39 bzw. 18 Prozent).

Quelle: www.altenpflege-online.net

Mehr als jeder zehnte Beschäftigte hierzulade hat einen Gesundheitsberuf. Von diesen 3,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeitet wiederum nahezu die Hälfte in pflegerischen Berufen (als Krankenpfleger/-innen: Rund eine Million; als Altenpfleger/-innen 500.000). Die Datenanalysen des aktuellen BKK Gesundheitsatlas belegen, dass besorgniserregend viele Pflegekräfte aufgrund der Arbeitsbedingungen einen kritischen Gesundheitszustand haben. Dazu kommt, dass jeder Dritte in der Altenpflege (32,9 Prozent) lediglich ein befristetes Arbeitsverhältnis hat. Im Schnitt aller Berufstätigen sind es dagegen 14,6 Prozent.

 Arbeiten in der Pflege: Signifikant länger krank, mehr psychische Leiden

Schaut man sich das Erkrankungsgeschehen der mehrheitlich weiblichen Beschäftigten dieser Branche genauer an, fällt auf, dass – im Vergleich zu allen anderen Beschäftigten, die im Schnitt 16 Tage krank waren – es deutlich längere Ausfallzeiten gibt: Rund 24 Tage sind es bei denjenigen, die in Pflege- oder Altenheimen arbeiten. Spitzenreiter hinsichtlich Erkranken an psychischen Störungen sind weibliche Beschäftigte in Pflegeheimen – sie sind doppelt so lange seelisch krank wie der Durchschnitt aller Arbeitnehmer (4,6 Krankentage in Pflegeheimen gegenüber 2,3 Tage bei den Beschäftigte aller Branchen).

Auch körperlicher Verschleiß macht den in Pflegeberufen Arbeitenden zu schaffen: Aufgrund von Muskel- und Skelettkrankheiten fallen Altenpflegerinnen doppelt so lange aus wie die weiblichen Beschäftigten insgesamt (7,0 versus 3,7 Krankentage).

Neun von zehn Befragten sagen: Die Förderung von Gesundheit an ihrem Arbeitsplatz ist ihnen wichtig oder sehr wichtig. Allerdings geben weniger als der Hälfte an, dass es überhaupt solche Maßnahmen in ihrem Unternehmen gibt.

Es zeigt sich durchaus ein Zusammenhang: Teilnehmer an betrieblicher Gesundheitsförderung leben laut eigenen Angaben auch außerhalb ihres Berufs aktiver und haben größere Zuversicht, ihren Beruf auch längerfristig ausüben zu können.

Von diesen Erkenntnissen sollte auch die Altenpflege profitieren, allerdings gibt es hier leider mehrheitlich (57 Prozent) (noch) keine betriebliche Gesundheitsförderung.

Quelle: BKK Pressemitteilung, BKK-Gesundheitsatlas

Nach einer Studie von IEGUS, WifOR und IAW im Auftrag des Bundeswirtschafts-ministeriums zeichnet sich in der Altenpflege ein Anstieg des Engpasses von 83.000 Arbeitskräften im Jahr 2016 auf 182.000 Personen im Jahr 2030 ab.

Im Rahmen der Studie wurden Maßnahmen für die Handlungsfelder Beschäftigungsfähigkeit zum langen Verbleib im ausgeübten Beruf, Berufswechsler sowie Bildung identifiziert und entsprechende Empfehlungen ausgesprochen.

Der größte Handlungsspielraum zur Abschwächung des Engpasses ergibt sich bei der Stellschraube in Bezug auf Möglichkeiten die Beschäftigungsfähigkeit im ausgeübten Beruf möglichst lange zu gewährleisten. Die Fachkräftesituation kann außerdem beeinflusst werden, wenn die Zahl der Berufszuwanderer erhöht bzw. der Berufsabwanderer reduziert oder die Absolventenzahl erhöht würde.

Empfehlungen:

  • Auf Grundlage der Studienergebnisse werden deshalb Interventionen empfohlen, die einen längeren Verbleib im Beruf ermöglichen und unterstützen. Um konkrete Maßnahmen zu identifizieren, sind Kenntnisse über die berufsspezifischen Ursachen von eingeschränkter Beschäftigungs-fähigkeit (die den längeren Verbleib im Beruf verhindern) notwendig.
  • Die Arbeitsbedingungen sollten so gestaltet sein, dass Beschäftigungsfähigkeit und Gesundheit lange erhalten bleiben und Mitarbeiter auch im Alter ihren Beruf ausüben können. Hierzu kann bspw. der Einsatz von technischen Hilfsmitteln, die konsequente Verbreitung von berufsspezifischen Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements [...] beitragen.
  • Das Präventionsgesetz verpflichtet die Sozialversicherungsträger zu einer stärkeren Zusammenarbeit und könnte auf diesem Weg ebenfalls einen Beitrag zu einem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit zum längeren Verbleib im Beruf leisten.

Quelle: Kurzfassung der Studie "Entwicklung der Angebotsstruktur, der Beschäftigung sowie des Fachkräftebedarfs im nichtärztlichen Bereich der Gesundheitswirtschaft"

Vom 25. - 27. April fand die diesjährige Altenpflegemesse in Nürnberg statt. Auch wir gehörten zu den insgesamt 28.000 Besuchern.

Drei Tage stellten 660 Aussteller zukunftsweisende Innovationen sowie Dienstleistungen aus der Pflegebranche vor. Das Angebot der vier Messehallen umfasste die Bereiche Pflege & Betreuung, Wohnen & Quartier, Verpflegung & Hauswirtschaft sowie Arbeitswelten & Prozesse.

Wir konzentrierten uns hauptsächlich auf Halle 4 mit dem Schwerpunkt "Beruf und Bildung". Dort stellten wir unser Projekt bei Verbänden und Einrichtungen aus dem Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung vor und sind auf interessierte Zuhörer*innen gestoßen. Die Gespräche gaben uns Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen und die Möglichkeit interessierte Teilnehmer*innen für die Erprobungsphase unseres Lernspiels zu gewinnen.

Die nächste Altenpflegemesse findet turnusmäßig vom 06. - 08.März 2018 wieder in Hannover statt und steht unter dem Motto: "Netzwerk Zukunft - Mensch.Technik.Pflege"

Frisch erschienen ist eine Broschüre, in der thematische Schwerpunkte der Verbundprojekte aus dem BMBF Förderschwerpunkt "Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen" vorgestellt werden.

Inhaltlich geht es um die Darstellung neuer Ansätze des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Pflege- und Dienstleistungssektor.

Auch das Projekt Stress-Rekord ist darin mit dem Beitrag "Serious Game-basierte Lernumgebung für Führungskräfte im Pflegebereich" vertreten.

Die Broschüre ist im Bertuch-Verlag Weimar erschienen und kostet 7,00 €.

Broschüre DIN A4 | 34 Seiten | 2017
ISBN: 978-3-86397-092-5
Preis: 7,00 €

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Das vom  Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Köln herausgegebene „Pflegethermometer 2016“, basierend auf bundesweiten Befragungen von Pflegediensten und der  Zusammenstellung zentraler Strukturdaten aus amtlichen Statistiken, greift auch die Aspekte Personalbelastung und –fluktuation in ambulanten Pflegediensten auf.

In den Ergebnissen zeigt sich, dass die ambulanten Dienste nicht nur mit einem Personalmangel insgesamt konfrontiert sind; sie weisen auch auf, dass Personalwechsel zum beständigen Bestandteil der Personalsteuerung in den Einrichtungen und „zum gewohnten Alltag“ geworden ist. Dabei stellt der Wechsel von einem zu einem anderen ambulanten Pflegedienst deutlich im Vordergrund. Ein Wechsel in andere Bereiche der pflegerischen Versorgung (teil-/vollstationäre Pflegeeinrichtung/Krankenhaus) ist wesentlich geringer zu beobachten.

Bei den Gründen für einen Wechsel werden in erster Linie gesundheitliche Gründe sowie die Kündigung von Mitarbeiter*innen in der Probezeit genannt. Erklärung hierfür können die angespannte Personalsituation und die unzureichende Möglichkeit der Personalauswahl sein. Auch die finanzielle Situation der ambulanten Dienste spielen eine (wenn auch untergeordnete) Rolle.

Einschätzungen zur Personalbelastung

Pflegende in den ambulanten Diensten sind mit unterschiedlichen Belastungssituationen konfrontiert.  Das Pflegethermometer 2016 führt dazu aus:

„Sie arbeiten autonom, sind in den komplexen Situationen meist alleine verantwortlich und müssen auch alleine Entscheidungen treffen. Im Gegensatz zur Pflegearbeit im Krankenhaus oder in den teil-/vollstationären Einrichtungen sind die Arbeiten nicht ohne weiteres auf andere Mitarbeiter*innen im Team delegierbar.

Nachfolgend sollen ausgewählte Belastungsindikatoren der Pflegenden vorgestellt werden, wie sie aus der Perspektive der Leitungen eingeschätzt werden. 48,1% der befragten Leitungen geben an, dass die Anforderungen an die Pflegenden in den konkreten Pflegesituationen in 2015 gegenüber dem Jahr 2014 gestiegen sind. Dies deckt sich mit den Aussagen bezüglich der beobachteten Veränderungen auf der Seite der Klient*innen und der Angehörigen. Die Komplexität der Situation, in der eine Leistung erbracht wird, steigt an.

Ein weiterer Belastungsindikator ist die Anzahl der geleisteten Überstunden in den Diensten. Hier beobachten 30% in einem kurzen Betrachtungszeitraum von einem Jahr einen Anstieg. Ein Grund für die steigenden Belastungen im Rahmen von geleisteten Überstunden ist sicherlich die Personalsituation in den ambulanten Diensten insgesamt und die Anzahl der nicht besetzten offenen Stellen.

Werden zusätzliche Klient*innen in die Betreuung aufgenommen oder aber verändern sich die Bedarfe, so kann die damit verbundene Leistungszunahme in erster Linie nur mit dem bestehenden Personal kompensiert werden. „

Quelle: http://www.dip.de

Die Gesundheits- und Pflegeberufe klagen zwar über Fachkräftemangel. Doch wer den Beruf einmal gelernt hat, bleibt in vielen Fällen auch in seinem Job. Das berichtet das Magazin "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis" des Bonner Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in seiner aktuellen Ausgabe, die sich mit Pflegeberufen befasst.

Erwerbspersonen, die einen Pflege- oder Gesundheitsberuf erlernt haben, wechseln im Vergleich zu anderen Berufsfeldern seltener ihren Beruf. Im Jahr 2013 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) lag die so genannte Stayer-Quote – das ist, angelehnt an das englische Verb "to stay (bleiben), der Prozentsatz derer, die den einmal erwählten Beruf nicht aufgeben – bei 74,4 Prozent. Dieser Wert ist deutlich höher als im Durchschnitt aller Berufe. Denn branchenübergreifend bleibt nur etwa jeder Zweite (46,7 Prozent) in dem Beruf, den er mal gelernt hat. Noch höher als in Pflege- und Gesundheitsberufen ist die Stayer-Quote nur in den Sicherheitsberufen (79,3 Prozent), in Gesundheitsberufen mit Approbation (83,8 Prozent) und in sozialen Berufen (76 Prozent).

Laut BIBB zeige die sehr hohe Stayer-Quote, dass es neben Maßnahmen, um das bestehende Personal zu halten, besonders lohnenswert sei, in diesem Bereich auszubilden. Denn ein Großteil der Ausgebildeten würde im Berufsfeld bleiben, so Caroline Neuber-Pohl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im BIBB-Arbeitsbereich "Qualifikation, berufliche Integration und Erwerbstätigkeit".

Quelle: www.altenpflege-online.net

Am 04.11. fand das erste Fokusgruppentreffen der Fokusgruppe 2 „Neue Ansätze des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Pflege- und Dienstleistungssektor“ in Würselen bei Aachen statt.

Die Fokusgruppe 2 befasst sich sowohl mit einer nachhaltigen Personalentwicklung und Gesundheitsförderung als auch mit einer präventiven Arbeitsgestaltung für Pflegepersonal und Führungskräfte. Um alltägliche Belastungen zu reduzieren, kommen Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention zum Einsatz. Mit den durch die beteiligten Verbundprojekte entwickelten Trainings, Coachings und smarten Technologien soll es gelingen, die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Zur Fokusgruppe gehören neben dem Projekt Stressrekord folgende Projekte:

  • PräFo - Prävention von Belastungen bei formalisierter Arbeit in Dienstleistung und technischer Entwicklung | www.praefo-verbund.de

  • Pflege-Prävention 4.0 - Neue Modelle für die Prävention in der Altenpflege | www.praevention-fuer-pflegende.de

  • ITAGAP - Integrierte Technik- und Arbeitsprozessentwicklung für Gesundheit in der ambulanten Pflege | www.itagap-projekt.de

  • empCARE - Pflege für Pflegende: Entwicklung und Verankerung eines empathiebasierten Entlastungskonzepts in der Care-Arbeit | www.empcare.de

Zum Sprecher der Fokusgruppe wurde Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen vom Verbundprojekt 'Pflege-Prävention 4.0' gewählt.
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Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen
MA&T Sell & Partner GmbH
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