Mit der Reihe "BGW forum" bietet die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege eine Plattform zum Gesundheitsschutz im Betrieb - mit vielen Möglichkeiten zum Austausch von Meinungen und Informationen, zum Lernen mit- und voneinander. Im Vordergrund stehen Lösungsansätze und Methoden, die sich direkt in die Praxis umsetzen lassen. Das Ziel ist es, den Berufsalltag ein Stück gesünder, sicherer und effizienter zu gestalten.

Die dritte Veranstaltung der Kongressreihe „BGW forum“ 2018 widmet sich der Branche Altenpflege und fand am 2./3. November in Dresden statt. Hierbei tauschten sich die Teilnehmenden zum Thema Gesundheitsschutz plus Handlungshilfen und Praxisbeispiele aus.

Wir hatten die Chance „Stress-Rekord“ im Rahmen des Workshops „Spielerisch die Gesundheit von Pflegekräften fördern“ vorzustellen, wobei die Teilnehmenden das Lernspiel selbst erproben durften.

 

Anschließend erarbeiteten die Teilnehmenden in Diskussionsrunden die Potenziale, sowie Hemmnisse und Barrieren des Lernspiels, als auch Hinweise und Möglichkeiten der  Implementierung und Motivationshinweise für die anzusprechende Zielgruppe. Die Ergebnisse werden von uns zur Weiter-entwicklung des Lernspieles für die Praxis genutzt.

In dem Lernspiel „Stress-Rekord“ wird der/die Spieler/in immer wieder mit neuen Ereignissen konfrontiert, wie sie im normalen Pflegealltag regelmäßig auftreten und meist auch ein Handeln der Führungskräfte in der ambulanten Pflege erfordern. Diese Ereignisse basieren auf Problemlagen und Schwierigkeiten, denen echte Pflegekräfte in ihrem Arbeitsalltag begegnen. Alle Charaktere im Lernspiel sowie deren arbeitsbedingte Belastungen wurden auf der Grundlage von anonymen Befragungen echter Pflegekräfte entwickelt.

Das Ziel für den/die Spieler/in ist dementsprechend nicht nur das Erkennen der vorliegenden Belastung eines Charakters, sondern auch die Reaktion mit passenden Maßnahmen, um der Pflegekraft „spielerisch“ bei der Lösung ihres Problems zu helfen. Der/die Spieler/in soll ein Gefühl für den Charakter bekommen, um den Stress der Pflegekräfte im Spiel so gering wie möglich zu halten. In jedem Level des Spiel tauchen neue Mitarbeiter und damit auch neue Charaktere mit anderen Belastungen auf. Damit soll der/die Spieler/in motiviert werden, sich den individuellen Problemen jeder Pflegekraft im Einzelnen zu widmen.

An dieser Stelle möchten wir einen Charakter aus Level 2 vorstellen: Ursula Hagelhans

„Ursula Hagelhans ist 55 Jahre alt. Sie ist eine geschiedene Mutter. Ihre einzige Tochter hat bereits zwei Kinder, wobei sich Ursula sehr über ihr „Oma-Sein“ freut. Vor vier Jahren hat sie in diesem Pflegedienst als Altenpflegerin angefangen, nachdem sie in der stationären Altenpflege tätig war. Sie empfindet die Krankenpflege als einen sehr facettenreichen Beruf, wobei sie besonders den Umgang mit unterschiedlichen Menschen liebt. Außerdem ist der Pflegeberuf für Ursula die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurück zu geben.“

Frau Hagelhans ist sehr sorgsam in ihrer Arbeit, dennoch bereiten ihr häufige Unterbrechungen in ihrer Arbeit, welche sie nicht ignorieren kann, immer wieder Probleme. Genauso ist das Autofahren in ihrem Beruf aufgrund der langen Fahrabstinenz schwierig. Früher konnte sie die Touren entweder mit ihrem Mann oder mit dem Fahrrad bewältigen. Dies ist nun nicht mehr möglich und ihr wurde ein neuer Dienstwagen zur Verfügung gestellt, dessen Bedienung ihr äußerst schwerfällt, besonders in Gefahrensituationen.

Auf solche und weitere Probleme der im Spiel integrierten Charaktere soll der/die Spieler/in reagieren und geeignete Unterstützung für seine Pflegekräfte finden.

 

Seit Ende April unterstütze ich Nadine Lange (SLfG) und das Projektteam von „Stress-Rekord“ als studentische Praktikantin bei der Entwicklung eines „Serious Game for Health“. Dieses wird als Führungskräftefortbildung für den Bereich der ambulanten Pflege konzipiert und ab März 2019 kostenlos für mobile und stationäre Endgeräte zur Verfügung stehen. Damit ist Stress-Rekord, als eine gesundheitsfördernde App, eine interessante Innovation für die Weiterbildung von Führungskräften im Gesundheitssektor.

Während meines Praktikums übernehme ich Aufgaben der Contentausarbeitung, zum einen in Bezug auf die Entwicklung von Spielcharakteren, zum anderen im Bereich der Bibliothekserstellung. Die Bibliothek dient dem Spieler als Plattform, um wissenschaftlich fundierte Informationen zu den Belastungen seiner, im Spiel zu betreuenden, Mitarbeitenden abrufen zu können.

Die Arbeit bei Stress-Rekord ist abwechslungsreich und gibt mir die Möglichkeit, weitere Erfahrungen bezüglich betrieblicher Gesundheitsförderung zu sammeln. Ich konnte neue Ideen in die Konzipierung des Spiels einbringen und selbst einmal den Papier-Prototypen testen. Zudem begleite ich Frau Lange zu verschiedenen landesweiten Veranstaltungen, um dort Stress-Rekord vorzustellen und den Pflegedienstleitungen sowie der Führungsebene unser Serious Game for Health näher zu bringen.

Da sowohl das Team und die Betreuung sehr gut, als auch die Projektthematik aktuell und spannend sind, werde ich Frau Lange und das Projekt Stress-Rekord nach meinem Praktikum als studentische Hilfskraft weiterhin unterstützen. Außerdem schreibe ich in Zusammenarbeit mit dem Projektteam und der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. meine Bachelorthesis. Ich freue mich sehr darauf zu erfahren, wie sich das Spiel weiterentwickelt und am Ende bei den Pflegediensten appliziert wird.

Elena Dumont