Am 13.06.2017 lud die BAuA zur Fachveranstaltung „Gute Stationsorganisation“ ein.

Das Hauptaugenmerk der Veranstaltung lag auf der Vorstellung des von der BAuA entwickelten Leitfadens: Gute Stationsorganisation – Ein Leitfaden für Pflegeeinrichtungen. Dieser Leitfaden soll zu einer verbesserten Stationsorganisation führen. Mit Hilfe eines Analyse- und Bewertungstools kann die eigene Station Schritt für Schritt analysiert und bewertet werden. Mit dargebotenen Handlungsempfehlungen kann so die Station entsprechend neu gestaltet werden.

Die Fachveranstaltung richtete sich im Besonderen an die Pflegebereichsleitung, sowie an Verantwortliche für Qualitätsmanagement, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Außerdem wurden Pflegekräfte angesprochen, welche Fragen und Probleme aus ihrem Pflegealltag vortragen konnten.

Den Teilnehmern wurde der Leitfaden vorgestellt und die ersten Maßnahmen für eine Umsetzung erläutert. Auch wenn die Veranstaltung in erster Linie Vertreter aus dem stationären Bereich angesprochen hat, wurden ziemlich schnell Parallelen zum ambulanten Sektor deutlich. Denn beide Bereiche müssen sich mit den Themen, wie physische und psychische Belastungen, sowie den körperlichen Folgen und steigenden Krankenständen auseinandersetzen. So kann der Leitfaden in einigen Teilen auch für den ambulanten Bereich angewandt werden.

Innerhalb der anschließenden Gruppenarbeit wurden bisherige Probleme auf den jeweiligen Stationen erarbeitet und die Maßnahmen abgeleitet, die für ein Entgegenwirken notwendig sind.

Nach der anschließenden Präsentation der Ergebnisse war ein Zeitfenster für Anregungen und Diskussionen vorgesehen. An dieser Stelle konnte unser Projekt „Stress-Rekord“ noch einmal vorgestellt werden. Die Teilnehmer waren sehr interessiert und stellten viele Fragen, welche uns auch in Zukunft helfen, das Spiel für alle Seiten der Pflege ansprechend zu gestalten.

Jeder kennt Spielfiguren, die jubeln und lachen. Kennen Sie auch Spielfiguren, die lustlos und erschöpft sind? Wie Sie sich vorstellen können, werden die Figuren in "Stress-Rekord" je nach Stresslevel ihre Gestalt ändern. Es gibt mindestens 3 Stufen: fröhliche Personen, bedächtige Personen und gestresste Personen. Zu jeder dieser 3 Stufen haben wir tabellarisch festgehalten, was die Person ausmacht - von der Körperhaltung bis zur Gesichtsmimik.

Tabelle der Figuren Mimik und Gestik
Ausschnitt der Tabelle Zustände Mimik u. Gestik

 

Zu dem 3-Stufenmodell kommt hinzu, dass die virtuelle Pflegekraft im Spielverlauf ihre Körperhaltung eventuell der zutreffenden Belastung anpasst. Eine gestresste Person hält sich den Rücken, da keine gesundheitsförderlichen Maßnahmen stattfand. Eine weitere Tabelle enthält also mögliche Äußerlichkeiten von gestressten Personen je nach Belastung.

Tabelle der Figuren Mimik und Gestik - Belastungen
Ausschnitt der Tabelle zu Besonderheiten der Belastungen

Dieses Figurenkonzept für Mimik/Gestik wurde mit Unterstützung unserer Schülerpraktikantin Viktoria im Fotostudio des Medienzentrums der Technischen Universität Dresden festgehalten - Charakter für Charakter mit den typischen Eigenschaften. Es entstand eine Serie von Bildern, die uns bei der Figurenentwicklung und visueller Gestaltung in den nächsten Monaten sehr hilfreich sein wird.

 

Nach einer Studie von IEGUS, WifOR und IAW im Auftrag des Bundeswirtschafts-ministeriums zeichnet sich in der Altenpflege ein Anstieg des Engpasses von 83.000 Arbeitskräften im Jahr 2016 auf 182.000 Personen im Jahr 2030 ab.

Im Rahmen der Studie wurden Maßnahmen für die Handlungsfelder Beschäftigungsfähigkeit zum langen Verbleib im ausgeübten Beruf, Berufswechsler sowie Bildung identifiziert und entsprechende Empfehlungen ausgesprochen.

Der größte Handlungsspielraum zur Abschwächung des Engpasses ergibt sich bei der Stellschraube in Bezug auf Möglichkeiten die Beschäftigungsfähigkeit im ausgeübten Beruf möglichst lange zu gewährleisten. Die Fachkräftesituation kann außerdem beeinflusst werden, wenn die Zahl der Berufszuwanderer erhöht bzw. der Berufsabwanderer reduziert oder die Absolventenzahl erhöht würde.

Empfehlungen:

  • Auf Grundlage der Studienergebnisse werden deshalb Interventionen empfohlen, die einen längeren Verbleib im Beruf ermöglichen und unterstützen. Um konkrete Maßnahmen zu identifizieren, sind Kenntnisse über die berufsspezifischen Ursachen von eingeschränkter Beschäftigungs-fähigkeit (die den längeren Verbleib im Beruf verhindern) notwendig.
  • Die Arbeitsbedingungen sollten so gestaltet sein, dass Beschäftigungsfähigkeit und Gesundheit lange erhalten bleiben und Mitarbeiter auch im Alter ihren Beruf ausüben können. Hierzu kann bspw. der Einsatz von technischen Hilfsmitteln, die konsequente Verbreitung von berufsspezifischen Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements [...] beitragen.
  • Das Präventionsgesetz verpflichtet die Sozialversicherungsträger zu einer stärkeren Zusammenarbeit und könnte auf diesem Weg ebenfalls einen Beitrag zu einem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit zum längeren Verbleib im Beruf leisten.

Quelle: Kurzfassung der Studie "Entwicklung der Angebotsstruktur, der Beschäftigung sowie des Fachkräftebedarfs im nichtärztlichen Bereich der Gesundheitswirtschaft"

Seit Ende April unterstütze ich Nadine Lange (SLfG) und das Projektteam von „Stress-Rekord“ als studentische Praktikantin bei der Entwicklung eines „Serious Game for Health“. Dieses wird als Führungskräftefortbildung für den Bereich der ambulanten Pflege konzipiert und ab März 2019 kostenlos für mobile und stationäre Endgeräte zur Verfügung stehen. Damit ist Stress-Rekord, als eine gesundheitsfördernde App, eine interessante Innovation für die Weiterbildung von Führungskräften im Gesundheitssektor.

Während meines Praktikums übernehme ich Aufgaben der Contentausarbeitung, zum einen in Bezug auf die Entwicklung von Spielcharakteren, zum anderen im Bereich der Bibliothekserstellung. Die Bibliothek dient dem Spieler als Plattform, um wissenschaftlich fundierte Informationen zu den Belastungen seiner, im Spiel zu betreuenden, Mitarbeitenden abrufen zu können.

Die Arbeit bei Stress-Rekord ist abwechslungsreich und gibt mir die Möglichkeit, weitere Erfahrungen bezüglich betrieblicher Gesundheitsförderung zu sammeln. Ich konnte neue Ideen in die Konzipierung des Spiels einbringen und selbst einmal den Papier-Prototypen testen. Zudem begleite ich Frau Lange zu verschiedenen landesweiten Veranstaltungen, um dort Stress-Rekord vorzustellen und den Pflegedienstleitungen sowie der Führungsebene unser Serious Game for Health näher zu bringen.

Da sowohl das Team und die Betreuung sehr gut, als auch die Projektthematik aktuell und spannend sind, werde ich Frau Lange und das Projekt Stress-Rekord nach meinem Praktikum als studentische Hilfskraft weiterhin unterstützen. Außerdem schreibe ich in Zusammenarbeit mit dem Projektteam und der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. meine Bachelorthesis. Ich freue mich sehr darauf zu erfahren, wie sich das Spiel weiterentwickelt und am Ende bei den Pflegediensten appliziert wird.

Elena Dumont

Ein wichtiger Bestandteil der Realisierung des Serious Games stellt die Erstellung der Lerninhalte, des sog. Contents dar. Mit diesem Arbeitsschritt befasst sich das Projektteam bereits seit einiger Zeit. Aktuell liegt der Fokus der Arbeit auf der Entwicklung der Charaktere, welche in der Anwendung die virtuellen Angestellten des Spielers oder der Spielerin repräsentieren. Um diese so realitätsnah wie möglich zu konzipieren, entstanden sie auf Basis einer Befragung von Pflegekräften mittels Fragebogen. Ausgehend davon wurden im nächsten Schritt persönliche Profile der virtuellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erstellt, welche neben dem Namen, dem Geburtsjahr, der Dauer der Betriebszugehörigkeit, Qualifikationen und bisherigen Tätigkeiten auch die individuellen Belastungen beinhalten, denen dieser Charakter im Spiel ausgesetzt ist. Diese Belastungen (z.B. Umgang mit Kollegen, Emotionsarbeit usw.) müssen in den jeweiligen Handlungsszenarien vom Spieler erkannt und durch die Auswahl einer passenden Maßnahme reduziert werden.

Neben dieser Form der Wissensaneignung wird darüber hinaus eine Bibliothek erstellt, die Studienbefunde, Zahlen und Fakten zu einer Reihe von berufsbedingten Belastungen und deren Folgen enthält. Die Bibliothek ermöglicht dem Spieler oder der Spielerin, sich theoretisch mit arbeitsbedingten Belastungen auseinander zu setzen bzw. Informationen nachzulesen. Dies verspricht einen erfolgreichen Lerntransfer und damit einhergehend eine Sensibilisierung für gesundheitliche Herausforderungen im Arbeitsalltag der Pflegekräfte.

Um frühzeitig ein erstes Spielerleben zu ermöglichen und konkrete Spielszenarien zu testen, hat das Projektteam in den letzten Wochen einen Papierprototyp entwickelt und diesen bereits mit einigen Testspielern/innen erfolgreich erprobt. Im Papierprototyp wurden das didaktische Konzept (inklusive Spielidee und -geschichte) sowie die notwendigen Fachinhalte implementiert. Es wurden alle wichtigen Elemente und Inhalte des Spiels (z.B. Buttons, Profile der Pflegekräfte, Ereignisse), die zur Erfüllung und Darstellung bestimmter Aufgaben notwendig sind, auf Papier skizziert. Der Bildschirmaufbau sowie Elemente der Benutzeroberfläche des Spiels wurden mittels freibeweglicher Papierkarten simuliert.

Mit Hilfe dieses Prototyps konnte das Spiel bereits hinsichtlich verschiedener Aspekte wie bspw. Nutzerfreundlichkeit oder Verständlichkeit getestet werden. Eine Gruppe von Testpersonen wurde gebeten, die Rolle des/der Spielers/Spielerin zu übernehmen und die im Spiel gestellten Aufgaben zu bearbeiten. Mitglieder des Projektteams übernahmen hierfür die Rolle des „menschlichen Computers“. Dieser sorgte dafür, dass die Spielinhalte jeweils verschoben oder sichtbar gemacht werden, so dass der Testspieler den Eindruck hat, er/sie spiele an einem echten Computer. Die Testpersonen wurden bei jedem Durchlauf gebeten, ihre Handlungen zu kommentieren sowie „laut zu denken“. Durch die Rückmeldungen der Testspieler/innen konnten Ablauf, Darstellungen sowie Steuerungselemente des Spiels bisher stetig angepasst und verbessert werden. Die Entwicklung des Serious Games erfolgt somit in einem iterativen Prozess. Der Papierprototyp wird das Projektteam weiterhin in der gesamten Phase der Spielentwicklung begleiten und für die Weiterentwicklung sowie die Erprobung verschiedenster Testszenarien herangezogen werden.

Die Broschüre, in der thematische Schwerpunkte der Verbundprojekte aus dem BMBF Förderschwerpunkt "Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen" vorgestellt werden, ist nun auch als E-Book erhältlich.

Auch das Projekt Stress-Rekord stellt sich im Beitrag "Serious Game-basierte Lernumgebung für Führungskräfte im Pflegebereich" vor.

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Am 17. Mai 2017 durften wir einen Thementisch auf dem Fachtag „Betriebliche Gesundheit in der Pflege“ betreuen und unser Projekt „ Stress Rekord“ vorstellen. Der Fachtag „Betriebliche Gesundheit in der Pflege“ wurde vom Pflegenetzwerk Vogtlandkreis im Landratsamt Vogtlandkreis ausgerichtet. Unterstützt wurde diese Veranstaltung von der regionalen Servicestelle Betriebliche Gesundheit Vogtland, der DPFA Akademikergruppe und dem Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Auerbach/Vogtland e.V.. Der Fachtag beinhaltete interessante Referate, spannende Thementische und wer wollte, konnte mit einem Alterssimulationsanzug experimentieren.

Das „Stress-Rekord“-Team betreute einen Thementisch und konnten so mit den Teilnehmenden direkt über das Serious Game in der Pflege diskutieren. Es wurden drei Gruppen gebildet, die jeweils 25 Minuten eine Themeninsel besuchten. Die Teilnehmenden der Veranstaltungen setzten sich sowohl aus Pflegefachkräften als auch aus Pflegedienstleiter*innen und Leiter*innen von Berufsfachschulen der Altenpflege zusammen.

Zu Beginn jeder Themenrunde stellten wir unser Projekt kurz vor, so dass alle Teilnehmer*innen ein Verständnis für unser Vorhaben entwickeln konnten. Durch die Diskussion erhielten wir wertvolle Hinweise, um unser Lernspiel noch realitätsnaher und attraktiver zu gestalten. Besonders erwähnenswert ist der Aspekt des Rollentausches, den die Teilnehmenden fortlaufend betonten. Gemeint war das Hineindenken von Führungskräften in die Rolle einer Pflegefachkraft und anders herum.

Zusammenfassend können wir schlussfolgern, dass wir sehr gute Anregungen und Ideen aus dieser Veranstaltung mitgenommen haben und diese in die weitere Konzipierung des Serious Games einfließen lassen werden. Die Thementische gaben uns Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen und die Möglichkeit interessierte Teilnehmer*innen für die Erprobungsphase unseres Lernspiels zu gewinnen

Im Rahmen des AP 7 arbeitet der Praxispartner TWSD wohnen plus…gGmbH derzeit an der Konzeption eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Um den Anforderungen an ein umfassendes BGM trotz der Besonderheiten im sozialen Dienstleistungssektor (z. B. die dezentrale Organisation) gerecht werden zu können, führen wir derzeit Mitarbeiterbefragungen zur Bedarfsermittlung in den einzelnen ambulanten Pflegediensten und den stationären Pflegeeinrichtungen in Thüringen sowie im Vogtland durch. Hierbei wird mit Hilfe von Fragebögen die Zufriedenheit der Mitarbeitenden sowie deren Situation im Arbeitsalltag ermittelt, um aus den gewonnenen Daten mögliche Strategien und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Arbeitssituation abzuleiten. Ein weiterer Teilbereich der Befragung nimmt den Gesundheitszustand der Pflegenden in den Fokus. An der beispielhaften Darstellung der Umfrageergebnisse aus einer der befragten Einrichtungen wird deutlich, welchen psychischen und physischen Belastungen die Pflegenden Tag für Tag ausgesetzt sind.

Aufgrund unserer wissenschaftlichen Voruntersuchung sind wir von den Ergebnissen zwar nicht überrascht, jedoch führen sie uns wieder vor Augen, wie wichtig die Gesunderhaltung der Mitarbeitenden ist und motiviert unser Projektteam weiterhin mit vollem Einsatz für die gesunde Arbeit beruflich Pflegender zu forschen, um letztlich auch die Versorgung unserer Pflegebedürftigen sicher zu stellen.