Erste Evaluationsergebnisse: Wie kommt das Lernspiel bei Führungskräften an?

Um den Erfolg des Lernspiels zu bewerten, hat das Projektteam die Führungskräfte befragt, die das Spiel gespielt haben. Die Erprobung fand beim Projektpartner Trägerwerk Soziale Dienste wohnen plus... gGmbH (TWSD) in Legefeld statt. Die mehrstufige Befragung, wie in der Abbildung zu sehen, bestand aus einer Nullmessung mittels Fragebogen, vor Beginn des Spiels sowie einer Abschlusserhebung nach der Nutzung des Lernspiels, die sich aus einem Fragebogen und einer Gruppendiskussion zusammensetzte.

Folgende zentrale Fragestellungen bestimmten den Evaluationsprozess:

  • Wie wird das Lernspiel von Ihnen hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Spielfreude bewertet?
  • Ist das Spiel und die Personal- und Kompetenzentwicklungsmaßnahme als Weiterbildungsmaßnahme erfolgreich?
  • Welche Rolle spielt gesundheitsförderliches Verhalten im Arbeitsalltag der Führungskräfte?

In der 8-wöchigen  Erprobungsphase wurden die Teilnehmenden an 2 Messzeitpunkten um Einschätzungen gebeten, wie die Abbildung verdeutlicht. Um das Nutzungserleben und die Spielfreude (Usability) zu erheben, wurde auf standardisierte Fragebögen meCUE (modular evaluation of key Components of User Experience) und GEQ (Game Experience Questionnaire) zurückgegriffen. Um die Wirksamkeit des Spiels zu untersuchen, wurden adaptierte Fragebögen eingesetzt, die Aufschluss über die Häufigkeit von und der Einstellung gegenüber gesundheitsförderlichen Führungsverhalten geben. Die Ergebnisse aus den Fragebogenerhebungen wurden anschließend im Rahmen einer Gruppendiskussion gemeinsam mit den Teilnehmenden vertiefend diskutiert.

Überraschenderweise konnten in der Nullmessung bereits sehr gute Ausgangswerte bzgl. der Belastungen der Pflegekräfte (aus Sicht der Führungskräfte), den arbeitsorganisatorischen Voraussetzungen in der pflegenden Einrichtung und zur Häufigkeit bzw. des Stellenwerts von gesundheitlichem Führungsverhalten. Nachfolgende Abbildung zeigt eine Bespielfrage zur Arbeitsorganisation bzw. –gestaltung. Überstunden müssen nur ab und zu bis selten zum Zeitpunkt der Nullmessung (vor dem Spiel) und nach Nutzung des Spiels sogar nur noch selten von den Pflegekräften in

der von der befragten Führungskraft geleiteten Einrichtung geleistet werden. Pausen können bspw. oft zum Zeitpunkt der Nullmessung und ab und zu nach Nutzung des Lernspiels eingehalten werden. Die hier festgestellte Verschlechterung nach dem Spiel wurde zum Thema in der Gruppendiskussion, die aber nur zu Teilen von den befragten Führungskräften beantwortet werden konnte. Eigene Interpretationsansätze mussten herangezogen werden. So ist denkbar, dass den Befragten, die Vielfalt der Möglichkeiten gesundheitsförderlichen Führungsverhaltens erst durch das Spiel bewusst geworden ist und im Nachgang gemerkt haben, dass sie nicht alle Potentiale ausschöpfen.

Die Einstellung zu gesundheitsförderlichem Führungsverhalten stellte sich ebenfalls recht positiv dar. Mitarbeitergespräche zu suchen, um eventuelle Belastungen der Pflegekräfte zu erkennen, sehen die befragten Führungskräfte als ein wichtiges Instrument (vor Nutzung des Spiels) und nach dem Spiel sogar als sehr wichtige Maßnahme der Gesundheitsförderung.

Die Gruppendiskussion ergab, dass die strukturellen Voraussetzungen (Patientenschlüssel und arbeitsorganisationale Bedingungen) in den teilnehmenden Einrichtungen sehr gut sind und sich auf die guten Fragebogenergebnisse auswirken, die gezeigt haben, dass der Wille und auch die Zeit für gesundheitsförderliches Führungsverhalten vorhanden ist.

Die Nutzerfreundlichkeit, im Sinne eines ansprechenden Designs und der Benutzbarkeit des Spiels, wurde positiv bewertet. Der überwiegende Teil der Teilnehmenden stimmte folgenden Aussagen zu:

  • Die Bedienung des Spiels ist verständlich.
  • Das Spiel ist kreativ gestaltet.
  • Das Design wirkt attraktiv.

Einzig an Herausforderungen und am Flow-Erlebnis mangelte es den Führungskräften. Sie fühlten sich kaum herausgefordert und konnten auch nicht so in das Spiel eintauchen, dass sie alles um sich rum vergessen hätten. Dieses Ergebnis ist dem Fakt geschuldet, dass im Rahmen der Evaluation eine erste Version des Prototypen des Spiels Einsatz fand, der in der zweiten Erprobungswelle im Oktober bereits deutlich ausgebauter sein und die Pflegekräfte mit zusätzlichen Szenarien stärker fordern wird.
Durch die Befragung und den Dialog mit den Teilnehmenden der Erprobung erhielt das Projektteam eine Reihe nützlicher Weiterentwicklungshinweise, die nun in die Optimierung des Lernspiels und der begleitenden Personalentwicklungsmaßnahme einfließen werden. Wir sind gespannt auf bestätigende oder neue interessante Ergebnisse im Rahmen des zweiten Erprobungs- und Evaluationsdurchlaufs im Oktober bei dem niedersächsischen Projektpartner „Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen Süd gGmbH“.