Am 3. September 2018 fand das 3. Meilensteintreffen des Projektverbundes Stress-Rekord mit allen Projektpartnern sowie dem Projektträger Karlsruhe (PTKA) statt. Das Projekt befindet sich nunmehr im 30. Projektmonat und konnte bereits einige Meilensteine erreichen sowie Arbeitspakete erfolgreich abschließen. Es wurden alle Arbeitsergebnisse der vergangenen 2,5 Jahre vorgestellt und diskutiert.

Vorgestellt wurde zum einen der Prototyp des Serious Games sowie die Ergebnisse aus der ersten Erprobung des Lernspiels beim Umsetzungspartner TWSD in Thüringen (Weimar). Zudem gab das Projektteam einen Ausblick auf die zweite Erprobungsphase, die ab Oktober in Niedersachsen (Göttingen) stattfinden wird.

Vielen Dank an das gesamte Projektteam für die wunderbare Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten und die gemeinsam erreichten Projektergebnisse, auf die wir stolz sein können!

 

Am 23. August fand der Abschlussworkshop zur Erprobung des Lernspiels „Stress-Rekord“ beim Projektpartner Trägerwerk Soziale Dienste wohnen plus... gGmbH (TWSD) in Legefeld statt.

Nach dem Start der Erprobung am 28. Juni hatten die Führungskräfte in einer 8-wöchigen „Spielphase“ Zeit, sich selbstständig mit den Lerninhalten des Lernspiels auseinanderzusetzen und die Selbstreflexionsfragen zum Spiel zu beantworten. In einem eintägigen Abschlussworkshop erfolgte nun der Transfer des Gelernten in die Praxis. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse aus den Fragebogenerhebungen (Evaluation des Lernspiels) im Rahmen einer Gruppendiskussion gemeinsam mit den Teilnehmenden vertiefend diskutiert. Durch den Dialog mit den Teilnehmenden der Erprobung erhielt das Projektteam eine Reihe nützlicher Hinweise und Anregungen, die nun in die Optimierung des Lernspiels und der begleitenden Personalentwicklungsmaßnahme einfließen werden.

Neben der Diskussions- und Feedbackrunde hatten die Teilnehmenden im Abschlussworkshop erneut die Möglichkeit auf spielerische Art und Weise aktiv zu werden. Die Transferarbeit, also die Übertragung des Gelernten auf den eigenen Pflegebetrieb, erfolgte mittels der Methode LEGO® Serious Play® (LSP). Diese ist ein moderierter Prozess, in welchem anhand konkreter Fragestellungen LEGO®-Modelle gebaut werden und anschließend von den Teilnehmenden erläutert werden (Storytelling). Angelehnt an die Inhalte des Lernspiels „Stress-Rekord“ wurden Modelle zu folgenden Fragestellungen gebaut:

  1. Welche Ressourcen gibt es in meinem Betrieb?
  2. Von welchen Belastungen sind die Pflegekräfte in meinem Betrieb betroffen?
  3. Was kann ich als Führungskraft tun, um Belastungen zu senken und die Ressourcen zu stärken?

Während diese Fragen im Lernspiel „Stress-Rekord“ anhand eines fiktiven Pflegebetriebs bearbeitet werden, diente der Transferworkshop mit LSP für die Teilnehmenden dazu, diese Fragestellungen nun bezogen auf den eigenen Pflegebetrieb zu beantworten. Die gewählte Methode bot dabei die Möglichkeit, sich kreativ mit den Fragestellungen auseinanderzusetzen und „mit den Händen zu denken“.

Nachdem die Erprobung des Lernspiels „Stress-Rekord“ am 28. Juni ihren Auftakt hatte, befinden sich die Teilnehmenden des Projektpartners Trägerwerk Soziale Dienste wohnen plus... gGmbH (TWSD) nun in der Onlinephase. Die Führungskräfte haben in dieser 8-wöchigen „Spielphase“ Zeit, sich selbstständig mit den Lerninhalten des Lernspiels auseinanderzusetzen und die Selbstreflexionsfragen zum Spiel zu beantworten.

Im Rahmen dieser Erprobung wird das Lernspiel aus seine Wirksamkeit getestet und von der Zielgruppe hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Spielfreude beurteilt. Die Teilnehmenden werden an 3 Messzeitpunkten um ihre Einschätzungen gebeten. Während der ersten 4 Wochen der Onlinephase wurden zusätzlich anonyme Nutzerdaten zum Spielverhalten gesammelt. Beispielsweise wurde die Gesamtspieldauer erfasst, also wie lange ein/e Nutzer/in braucht, um das Spiel insgesamt einmal durchzuspielen. Zudem wurde erfasst wie oft die Nutzer/innen das Spiel pro Wochen spielen, zu welchen Tageszeiten sie das Spiel spielen und wie lange sie sich mit einzelnen Spielabschnitten befassen. Diese Daten sollen anschließend mit denen aus den Fragebogenerhebungen in Verbindung gebracht werden und damit einen Einblick in das Spielverhalten der Nutzer/innen ermöglichen.

Bevor am 23. August der Abschlussworkshop der Personalentwicklungsmaßnahme stattfinden wird, haben die Teilnehmenden nun in der verbleibenden Zeit der Onlinephase die Möglichkeit, Inhalte aus dem Spiel zu reflektieren. Angeregt wird dieser Prozess durch ein Lerntagebuch mit Selbstreflexionsfragen im Teilnehmerhandbuch, welches die Teilnehmenden ausfüllen.

In dem Lernspiel „Stress-Rekord“ wird der/die Spieler/in immer wieder mit neuen Ereignissen konfrontiert, wie sie im normalen Pflegealltag regelmäßig auftreten und meist auch ein Handeln der Führungskräfte in der ambulanten Pflege erfordern. Diese Ereignisse basieren auf Problemlagen und Schwierigkeiten, denen echte Pflegekräfte in ihrem Arbeitsalltag begegnen. Alle Charaktere im Lernspiel sowie deren arbeitsbedingte Belastungen wurden auf der Grundlage von anonymen Befragungen echter Pflegekräfte entwickelt.

Das Ziel für den/die Spieler/in ist dementsprechend nicht nur das Erkennen der vorliegenden Belastung eines Charakters, sondern auch die Reaktion mit passenden Maßnahmen, um der Pflegekraft „spielerisch“ bei der Lösung ihres Problems zu helfen. Der/die Spieler/in soll ein Gefühl für den Charakter bekommen, um den Stress der Pflegekräfte im Spiel so gering wie möglich zu halten. In jedem Level des Spiel tauchen neue Mitarbeiter und damit auch neue Charaktere mit anderen Belastungen auf. Damit soll der/die Spieler/in motiviert werden, sich den individuellen Problemen jeder Pflegekraft im Einzelnen zu widmen.

An dieser Stelle möchten wir einen Charakter aus Level 2 vorstellen: Ursula Hagelhans

„Ursula Hagelhans ist 55 Jahre alt. Sie ist eine geschiedene Mutter. Ihre einzige Tochter hat bereits zwei Kinder, wobei sich Ursula sehr über ihr „Oma-Sein“ freut. Vor vier Jahren hat sie in diesem Pflegedienst als Altenpflegerin angefangen, nachdem sie in der stationären Altenpflege tätig war. Sie empfindet die Krankenpflege als einen sehr facettenreichen Beruf, wobei sie besonders den Umgang mit unterschiedlichen Menschen liebt. Außerdem ist der Pflegeberuf für Ursula die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurück zu geben.“

Frau Hagelhans ist sehr sorgsam in ihrer Arbeit, dennoch bereiten ihr häufige Unterbrechungen in ihrer Arbeit, welche sie nicht ignorieren kann, immer wieder Probleme. Genauso ist das Autofahren in ihrem Beruf aufgrund der langen Fahrabstinenz schwierig. Früher konnte sie die Touren entweder mit ihrem Mann oder mit dem Fahrrad bewältigen. Dies ist nun nicht mehr möglich und ihr wurde ein neuer Dienstwagen zur Verfügung gestellt, dessen Bedienung ihr äußerst schwerfällt, besonders in Gefahrensituationen.

Auf solche und weitere Probleme der im Spiel integrierten Charaktere soll der/die Spieler/in reagieren und geeignete Unterstützung für seine Pflegekräfte finden.

 

Bevor das Lernspiel „Stress-Rekord“ in die Erprobung ging, erfolgte eine Überprüfung der Lerninhalte durch externe Experten/innen aus den Bereichen Gesundheitsschutz und Prävention sowie aus der Pflege.

Im Rahmen dieser Prüfung erhielten alle Experten/innen einen aufbereiteten Spielecontent in Papierformat. Damit konnte der/die Prüfer/in anhand der Schritte, die im Spiel durchlaufen werden, die konkreten Lerninhalte nachvollziehen und bewerten. Der Content zeigt die Geschichte eines Spielcharakters sowie dessen arbeitsbedingte Belastungen und die dafür in Frage kommenden Maßnahmen, um die Belastungen und damit das Stresslevel zu senken. Mit Hilfe des Bewertungsbogens konnten die Experten/innen die Inhalte jeder einzelnen Spielszene systematisch auf ihre Qualität prüfen. Im Fokus stand dabei die Realitätsnähe und Relevanz der Inhalte. Die Maßnahmen zum Senken der Belastungen der Spielcharaktere und die dazugehörigen Beschreibungstexte wurden hinsichtlich Aktualität, Zweckmäßigkeit sowie Richtigkeit und Praxisbezug bewertet. Durch den externen Bewertungsprozess kann das Spiel realitätsnahe Situation aus dem Pflegealltag abbilden und bedarfsgerecht an die Zielgruppe angepasst werden.

Am 28. Juni fand der Auftaktworkshop zur Erprobung des Lernspiels „Stress-Rekord“ beim Projektpartner Trägerwerk Soziale Dienste wohnen plus... gGmbH (TWSD) in Legefeld statt. Die Zielgruppe der Weiterbildung mit dem Lernspiel sind Pflegedienstleitungen sowie deren Stellvertreter aus den ambulanten Pflegebetrieben der TWSD.

Während des Workshops erhielten die Teilnehmenden eine inhaltliche Einführung in das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement sowie eine Einführung in das Lernspiel selbst. Den Teilnehmenden wurde vor Ort der Registrierung- und Login-Prozess erklärt, um mögliche Hürden während der Online-Phase, in der die Spieler das Spiel selbstständig spielen, zu vermeiden. Alle notwendigen Informationen zum Spiel und zu dessen Inhalten erhielten die Teilnehmenden als Begleitmaterial zum Workshop (Teilnehmerhandbuch + Bibliothek). Das Lernspiel liegt momentan als Prototyp vor, welcher mit der Zielgruppe erprobt und evaluiert wird. Der Ablauf dieser Evaluation (mittels Fragebogenerhebung und Gruppendiskussion) wurde den Teilnehmenden ebenfalls im Workshop erklärt.

Nun haben die Teilnehmer in einer 8-wöchigen „Spielphase“ Zeit, sich selbstständig mit den Lerninhalten des Lernspiels auseinanderzusetzen. Anschließend wird am 23. August in einem eintägigen Abschlussworkshop der Transfer des Gelernten in die Praxis erfolgen. Die Teilnehmenden werden mithilfe verschiedener Methoden angeregt, ihr erworbenes Wissen auf eigene Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag zu übertragen. Zudem wird es eine Gruppendiskussion sowie Feedbackrunde geben, um die Personalentwicklungsmaßnahme insgesamt (Lernspiel + Workshops) abschließend zu bewerten.

Am 21. und 22. Juni 2018 fand in Heidelberg die Meilensteintagung des BMBF-Förderschwerpunktes "Arbeit 4.0 erfolgreich umsetzen - Herausforderung Praxistransfer" statt. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Diskussion, wie ein erfolgreicher Praxistransfer gelingen kann und welche Lösungen bestehen, um Konzepte nachhaltig zu verankern. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zeigen Erfolgsfaktoren für die Umetzung von Arbeit 4.0 auf.

In parallel stattfindenden Workshops der Verbundprojekte konnten sich die Teilnehmenden dem Thema Transfer aus verschiedenen Blickwinkeln nähern. Das "Stress-Rekord"-Team führte einen dieser Workshops durch: "Projektergebnisse spielend auf den Weg bringen! Ideenschmiede mit LEGO® Serious Play®.

Ziel des interaktiven und spielerischen Workshops war es, Lösungsansätze zu entwickeln, wie Innovationen zur gesunden Arbeit in die Praxis implementiert werden können. Mit Hilfe der Methode LEGO® Serious Play® (LSP) werden Herausforderungen des Praxistransfers analysiert sowie Ansätze für einen erfolgreichen Transfer entwickelt. LSP ist ein moderierter Prozess, in welchem das Modellieren mit LEGO®-Steinen mit ausgewählten Fragestellungen verbunden wird. Ergebnis des Workshops war die Zusammenfassung von Handlungsprinzipien eines gelungenen Transfers in die Arbeit 4.0.

Der Prototyp des Lernspiels „Stress-Rekord“ steht kurz vor der Fertigstellung und damit auch vor der erstmaligen Erprobung durch die Zielgruppe. Damit sind auch alle zentralen Designelemente im Spiel grafisch umgesetzt. Das Design der Spielumgebung orientiert sich am typischen Arbeitsplatz einer Führungskraft in der Pflege. Der/die Spieler/-in in der Rolle der Pflegedienstleitung befindet sich zum Spielstart im Büro des Pflegebetriebs. Im weiteren Spielverlauf durchläuft der/die Spieler/in weitere Räume des Betriebs, für welche das Projektteam in den letzten Monaten ebenso ein ansprechendes Design entwickelte.

Dabei entstehen die Ideen und Entwürfe für einzelnen Räume im Spiel zunächst einmal auf Papier. Anschließend werden diese dann Schritt für Schritt mittels eines Grafik-Programms umgesetzt und mit Details und einem entsprechenden Farbkonzept versehen. In den fertig designten Räumen werden dem Spieler dann zusätzlich die Lerninhalte sowie die Navigationselemente (Buttons) angezeigt. Der Entwicklungsprozess der Spielelemente ist ähnlich dem der Räume. Als erstes werden verschiedene Skizzen angefertigt, wie die Elemente aussehen könnten. Im Verlaufe des Prozesses werden dann Entscheidungen zum finalen Aussehen und zu Details dieser Elemente getroffen.

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) in Köln hat mit dem Pflege-Thermometer 2018 die Ergebnisse der bundesweiten repräsentativen Befragung von Leitungskräften in der teil-/vollstationären Pflege veröffentlicht. Gefördert wurde die Studie von der B. Braun-Stiftung und vom Pflegelotsen des Verbands der Ersatzkassen e.V. unterstützt.

Aktuell sind rund 17.000 Stellen im Pflegebereich in den Einrichtungen nicht besetzt. Zur Deckung würden rund 25.000 zusätzliche Personen benötigt, da vielfach in Teilzeit gearbeitet wird. „Die Personalengpässe führen zu Wartelisten und zu Absagen bei Betreuungsanfragen in den Einrichtungen. In mehr als jedem fünften Betrieb erfolgte aufgrund des Personalmangels in den vergangenen drei Monaten ein zeitweiliger Aufnahmestopp“, so Prof. Michael Isfort, Leiter der Studie.

Auswirkungen zeigen sich auch bei den Beschäftigten selbst. „Die Leitungskräfte beobachten gegenüber dem Vorjahr erhöhte Krankheitsausfälle und steigende Anforderungen durch Einspringen an freien Tagen“, so Isfort weiter. Licht und Schatten stellen die Einrichtungen bei den aktuellen Gesetzesreformen und Entwicklungen fest. "Maßnahmen der Entbürokratisierung führen offenbar tatsächlich zu Entlastungen des Personals und einer größeren Klarheit der Dokumentation.“ Es bestehen aber zahlreiche weitere bürokratische Bereiche, wie z.B. aufwendige, aber wenig aussagekräftige Qualitätsmessungen.„Eine klare Absage wird dem Pflege-TÜV in seiner jetzigen Form erteilt“, so Isfort.

Mehr Gestaltungsspielraum wird auch bei der Regelung der Fachkraftquote gefordert – eine Abschaffung aber findet deutlich keine Mehrheit. Vielmehr wird befürwortet, dass unter bestimmten Bedingungen und geprüften Konzepten mehr Variabilität ermöglicht werden müsste. Eine zentrale Veränderung ist die Umstellung der Pflegestufen in Pflegegrade. Mehr als jede zweite Einrichtung betrachtet die Umstellung eher skeptisch. Befürchtet werden niedrigere Neueinstufungen und finanzielle Einbußen, sodass zukünftig primär Menschen mit hohen Pflegegraden aufgenommen werden. Eine Verbesserung der Steuerung ergibt sich den Einschätzungen folgend eher nicht.

Download des Abschlussberichts: www.dip.de